Kornett versus Trompete

Das Kornett entstand ca. 1830, als Halary (Paris) ein Posthorn mit Ventilen konstruierte. Die Stimmung war üblicherweise in B, manchmal aber auch in C. Durch das im Vergleich zur Trompete kürzere und konischer verlaufende Rohr war der Bläser deutlich beweglicher auf dem Instrument. Der Ton des Kornetts wird zwar als weniger bestimmt und edel beschrieben, dafür ist er aber weicher, wird als schön empfunden und ist viel gefälliger.

Der erste Einsatz des Kornetts erfolgte in der Militär und Salonmusik. Hier erfreute es sich aufgrund seiner bequemeren Spielart so zunehmender Beliebtheit, dass um ca.1850 eine regelrechte Gefährdung der Trompete in fast allen Ländern bestand.

Zu Ihrer Rettung wurde die B-Stimmung auch auf die Trompete übernommen (bis dahin gebräuchliche Stimmungen waren F, G und manchmal D), wodurch gleichzeitig eine deutliche Verbesserung der Treffsicherheit in der Höhe erlangt wurde, ebenso allerdings eine wesentliche Abnahme der Klangfülle in den mittleren und tiefen Lagen einherging.

Ebenfalls der Verbreitung des Kornetts verdankt die Trompete ihre Wiederentdeckung als Soloinstrument, da sie Anfang des 19. Jh. lediglich als Orchesterinstrument eingesetzt wurde.

 Auch im frühen Jazz wurde zunächst das Kornett geblasen. So wird die typische Besetzung des New Orleans Jazz (um 1890) wie folgt angegeben: Kornett (führende Melodie), Klarinette, Posaune, Schlagzeug, Tuba (später Kontrabass), Banjo od. Gitarre und später Piano.

Bezeichnend für diesen Stil waren die Kollektivimprovisationen über dem Chorus (solistisches Hervortreten erst ab den 20ern) und die Hot-Intonation (Vibrato, unvermittelt heftiges Einsetzen und Abbrechen des Tones, Dirty Tones)

 Ebenso im ca. 1890 in den Südstaaten der USA durch Weiße geschaffenen Dixieland Stil war die Ursprungsbesetzung mit dem Kornett. Geschaffen durch die Verbindung der Vorläufer (Ragtime und Marching Bands) und am Vorbild des New Orleans Jazz orientiert lag es nahe, neben der Stilistik auch die Besetzung zu übernehmen.

Ende der 20er kam es durch Schließung der Lokale im Vergnügungsviertel Storyville (New Orleans) und dem Verbot der Musik zum Auswandern vieler Musiker nach Chicago, wo dann der Chicago Jazz entstand, in dem das solistische Hervortun der Musiker in den Vordergrund rückte.

Durch die inzwischen erfolgte Übernahme der B-Stimmung auf die Trompete (siehe oben) mit der damit bereits erwähnten verbundenen besseren Treffsicherheit in den hohen Lagen und dem bestimmteren Ton der Trompete war es nur eine Frage der Zeit, bis die sich selbstdarstellenden Bläser von dem Kornett zur Trompete wechselten.

Louis Armstrong und Bix Beiderbecke (wichtigster weißer Zeitgenosse Armstrongs) spielten neben anderen guten Bläsern auch zu Beginn des Chicago Jazz noch auf dem Kornett (bis ca.1928).

 Natürlich sei einem jeden Jazztrompeter/Kornettist die Entscheidung, ob Trompete oder Kornett, selbst überlassen. Wer jedoch bei vollen mittleren und tiefen Registern und guter Flexibilität einen ausgewogenen, harmonischen und möglichst lange zu genießenden Gruppenklang erzeugen möchte, ohne selbst ständig im Vordergrund stehen zu müssen, der wird nach obigen Betrachtungen wohl kaum in die Verlegenheit der Qual der Wahl kommen.

 Geschrieben: Chr. zur Mühlen

Quellen: Die Trompete von Edward Tarr

Schott Verlag 

Der Musikbrockhaus

F.A. Brockhaus/Wiesbaden

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